23. Juli 2021
Die Erschließung eines neuen Wohnbaugebietes im Lauda-Königshofener Stadtteil Unterbalbach ist in den kommenden Jahren vorgesehen. Bei der jüngsten Ortschaftratsitzung stellte Gabriel Mütsch, Inhaber des
gleichnamigen Ingenieurbüros für Bauwesen in Unterbalbach, die Planungen vor, die er gemeinsam mit der Stadtverwaltung und Stadtbaumeister Tobias Blessing ausgearbeitet hat. „Ansonsten gehen in absehbarer
Zeit die Neubaumöglichkeiten am Ort aus“, begründeten Mütsch und Blessing dieses Vorhaben.
Das Baugebiet „Mühlbach“ schließt sich östlich benachbart an die beiden Bauabschnitte „Mühlbach / Heißgrat“ an und liegt südlich der Burgwiesenstraße. Dier Planungen umfassen 27 Bauplätze mit Flächengrößen
von circa 560 bis 800 Quadratmeter. Die 300 Meter lange Haupterschließungsstraße verläuft weitgehend parallel zu den Höhenlinien in West-Ost-Richtung. Hinzu kommen zwei Stichstraßen, ein Minikreisel zur
Verkehrsberuhigung nach etwa einem Drittel der Haupterschließungsstraße und am Ende der Haupterschließungsstraße ein weiterer Minikreisel als Wendemöglichkeit.
Um Durchgangsverkehr auszuschließen, wird keine Fahrverbindung zwischen dem neuen Baugebiet „Mühlbach“ und dem bereits bestehenden Areal „Mühlbach/Heißgrat“ hergestellt. Eine Verbindung der beiden
Stichstraßen erfolgt durch einen Schotterweg aufgrund des Anschlusses der Kanalisation an den Bestand.
Südlich des Gebietes wird auf der gesamten Länge ein Entwässerungsgraben angelegt. Die Entwässerung im Neubaugebiet ist in Form eines Trennsystems geplant, also mit jeweils separater Ableitung von Regen- und
Schmutzwasser in die Kanalisation sowie von Regenwasser in den Balbach.
Mütsch und Blessings erklärten, dass in diesem Jahr die Genehmigungsplanung für die Kanalisation sowie für 2022 die Ausschreibung für die Erschließungsarbeiten beabsichtigt sind. Mit dem Beginn der
Erschließung sei erst 2023 zu rechnen.
Ebenfalls erläuterte Mütsch eine durch sein Ingenieurbüro durchgeführte Abwasserkanaluntersuchung sowie erarbeitete Allgemeiner Abwasserkanalisationsplan (AKP) für den aktuell fast 1530 Einwohner zählenden
Stadtteil. „Unsere Ortschaft ist im Laufe der Zeit vor allem durch neue Wohngebiete und mehr oder weniger versiegelte Flächen gewachsen, was zu höheren Abflüssen von Regenwasser führt. Die klimatische
Entwicklung tut ihr übriges“, erklärte Mütsch. „Die Kanalrohre, die mitunter 50 Jahre und länger der Regenwasserableitung gedient haben, weisen nicht mehr die Leistungsfähigkeit auf, die erforderlich wäre, um
den steigenden Anforderungen gerecht zu werden.“
Daher sei es Hauptziel eines solchen Planwerks, die Leistungsfähigkeit des Abwassersystems zu überprüfen und Schwachstellen in dem über 12 770 Meter langen Kanalnetz aufzudecken. Dabei werde nicht nur die
hydraulische Leistungsfähigkeit untersucht, sondern auch der bauliche Zustand. Aufbauend auf diesen Erkenntnissen werde dann ein Sanierungsprogramm aufgestellt, dass sich nicht selten über Jahrzehnte
erstrecke. Beispielsweise stamme der letzte AKP für Unterbalbach aus dem Jahr 1978. Zu dieser Zeit habe es weder die Baugebiete Lehmgrube 1 bis 3, noch „Mühlbach-Heißgrat“ oder „Mühlbach“ gegeben, hob Mütsch
hervor. Die Gesamtfläche mit Außengebieten betrage rund 122,7 Hektar, davon seien 59,8 Hektar befestigte Bereiche.
Dennoch müsse die Kanalisation die Wassermengen zusätzlich aufnehmen. Die bisherige Folge seien bei Starkregen Rückstau zum Beispiel in den Bereichen Kreutzerstraße, „Am Vogelsberg“ und Wagnerstraße. Kritisch
wird von zahlreichen Bürgern gesehen, dass die Sanierungsmaßnahmen erst im Verlauf mehrerer Jahre angegangen werden. Angesichts der Schäden bei den beiden Starkregenereignissen im Frühsommer 2018 sowie der
jüngsten Ereignisse bei den Hochwassern in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen müssten schon früher Sanierungsmaßnahmen umgesetzt werden, forderte Unterbalbachs Stadt- und Kreisratsmitglied Alois Imhof.